Malor- Leipzig

Sich des eigenen Könnens bewusst sein heißt kreativ sein



Geschichte und Philosophie des Malortes

Der Malort in Leipzig orientiert sich an den aus jahrzehntelanger Praxis hervorgegangenen Erkenntnissen Arno Sterns. Dieser entwickelte den Malort aus seinen Erfahrungen heraus, die er von 1946 bis 1948 mit den begeisternd malenden Kriegswaisen in dem Kinderheim in Fontenay-aux-Roses bei Paris machte. Daraus entwickelte sich sein Wunsch, die Praxis fortzusetzen und auch anderen Kindern die Möglichkeit zu bieten, ihrem Bedürfnis nach Ausdruck zu folgen. Nach und nach entdeckte er, dass die immer wieder entstehende Spur im Malspiel nicht der Kunst zuzuordnen ist, sondern Bestandteil eines eigenständigen Gefüges ist, welches einer inneren Notwenigkeit folgt: der Formulation. Sie stellt einen universalen Code dar, der unabhängig vom jeweiligen Alter, dem Bildungsgrad sowie dem kulturellen, gesellschaftlichen oder religiösen Hintergrund existiert. Er ist von äußeren Einflüssen unberührt, da er der organischen Erinnerung entspringt. Dies hat er mit seinen Forschungsreisen nach Peru, Afghanistan, Mexiko, Guatemala, Äthiopien, Niger, Neuguinea und Mauretanien bewiesen. Seine Entdeckungen finden sich außerdem in den heutigen wissenschaftlichen Erkenntnissen der Epigenetik sowie der Hirn- und Embryonalforschung wieder.

 

Ein geschützter Raum ...

Nur in der geschützten Atmosphäre des Malortes kann sich das Malspiel entfalten, deshalb bedarf es einiger Voraussetzungen:

  • es gibt keine Vor- und Aufgaben, keine Erwartungen
  • das Malspiel erfolgt in einem wettbewerbs- und wertfreien                  Miteinander
  • das Malspiel findet in altersgemischten Gruppen statt
  • die im Malspiel entstehenden Bilder verbleiben am Ort und                werden weder kommentiert noch gedeutet
  • es gibt immer eine dienende Person, die die Malenden begleitet
  • es gibt feste Regeln
  • das Malspiel erfolgt stets unter den gleichen Bedingungen
 

Struktur und Freiheit ...

Ohne Regeln keine Freiheit! Das Malspiel ist nicht zu verwechseln mit einem zufälligen Experimentieren oder einem planlosen sich Austoben mit Farbe. Wie beim Erlernen und später beim virtuosen Spielen eines Musikinstrumentes, müssen bestimmte Regeln eingehalten, bestimmte Gesetzmäßigkeiten befolgt und geübt, das Instrument gepflegt und mit Sorgfalt behandelt werden. Nur so kann ich irgendwann mit dem Instrument verschmelzen, mich von den Noten lösen. Der Takt geht in den Körper über und es fühlt sich so an, als ginge das Spiel von ganz allein. Erst wenn ich das Instrumentarium beherrsche, kann ich damit frei agieren. Genauso verhält es sich mit dem Malspiel. Die unbelastete natürliche Äußerung, die Formulation, kann nur entstehen, wenn all das Nicht-Eigene überwunden worden ist. Die Regeln sind ganz einfach und werden wie nebenbei, über das Tun, erlernt. Durch den entstehenden Ernst und die Konzentration kann sich das Malspiel frei und selbstverständlich entfalten.



 
  "Es gibt kein Spiel ohne Ritual. Regeln sollen Ermögllichungen sein. Hier werden sie nie als Einschränkung empfunden."

                                                          Arno Stern