Malor- Leipzig

Sich des eigenen Könnens bewusst sein heißt kreativ sein



Das Malspiel am Montag

 
Die malende Hand soll sich möglichst frei bewegen können, das Handgelenk mit dem Pinsel gerade auf das Papier geführt werden. Das kann ein bisschen Übung erfordern.

Die Ernsthaftigkeit und Konzentration eines 3-jährigen Kindes beim Malspiel ist berührend und banal zugleich, weil es einem in uns allen angelegten Bedürfnis, einer unsagbaren Äußerung, Ausdruck verleiht.

Die beglückende Erfahrung eines solchen Tuns machen kleine und große Kinder leider viel zu selten!








Präzises Malen ist auch ohne das Auflegen bzw. Anlehnen der Hand oder des unteren Arms auf das Blatt möglich!

 
 
 
 
 


Erste Eindrücke vom Malspiel ...


Der Palettentisch in der Mitte des Raumes ist das Herzstück des Malortes. Hier begegnen sich die Malenden, wählen einen anderen Pinsel oder tauchen
den noch gebrauchten erneut in das Wasser und die Farbe ein.





  Im Malort findet jeder seinen Platz und konzentriert sich ganz

auf sein Tun -

inmitten der anderen, die auch in ihr Malspiel vertieft sind.



Ob groß oder klein, alt oder jung, gläubig oder nicht gläubig, mit oder ohne Abitur, mit oder ohne Handicap: Arno Stern nennt alle Malspielenden KINDER. Das Spiel ist ein ganz wesentlicher Aspekt - nicht nur - der menschlichen Entwicklung. Der Spieltrieb bleibt uns bis ins hohe Alter erhalten und dient uns dazu, die eigenen Fähigkeiten zu erproben, zu entwickeln und zu entfalten. Spielen bedeutet, seinen spontanen Impulsen folgen, ganz im Vertrauen auf sich und die Welt, ohne Ziel und Zweck.

Die Handhabung des Pinsels ist r den Prozess des Malspiels wichtig: das Handgelenk kann sich locker in jede Richtung bewegen, der Pinsel wird waagerecht auf das Papier aufgesetzt und die Hand führt den Pinsel, ohne sich am Blatt oder an der Wand anzulehnen. So kann die Spur ungehindert fließen.
 

"Der Vernunft ist in unserer Kultur und betontermaßen in der Erziehung eine überdimensionale Rolle eingeräumt worden. Daher fällt es den Menschen schwer, den Schritt zu wagen, der über eine nie überschrittende Schwelle hinaus in ein unerprobtes Befinden führt, um in einer gedankenentsagenden Verfassung tätig zu sein - so wie es einzig in der Zeit der Erstfiguren lange andauernd geschah."

Arno Stern

 


Die folgenden Bilder sind während der Eröffnung am 14.06.2014 entstanden

 


Den Kindern war es vorbehalten, das allererste Blatt an der Wand im Malort zu befestigen.
Das war ein feierlicher Augenblick, den ich bestimmt nicht mehr vergessen werde!
 



Das feine Gespür des Kindes für das Ritual des Reißnagelanbringens. Bewusste Handgriffe, die über das Tun und Erleben eine Bedeutung erhalten und den Mut wecken, über sich selbst ein kleines Stück hinaus zu wachsen ...

 










Der letzte Reißnagel wird gesetzt!

 

 

Der Palettentisch sieht aus wie ein reich gedeckter Tisch, an dem viele Menschen speisen können. Die Pinsel sind das Besteck, das in einer bestimmten Reihenfolge benutzt wird. Die Farben riechen gut und jede Farbe schmeckt anders. Es gibt auch für  jeden ein Glas Wasser.

 


Es war eine große Freude zu sehen, wie unmittelbar die Kinder auf den unwiderstehlichen Aufforderungscharakter des Malortes reagierten.

 


Im Malort ist alles ganz schlicht, jedes Detail ist durchdacht und notwendig, damit die Malenden ins Spielen kommen. Deshalb ist es wichtig, mit den Farben und den Pinseln in einer bestimmten Art und Weise umzugehen: zuerst wird der Pinsel in das Wasser getaucht, danach in die Farbe - ganz sacht !
 

Fühl ´einmal, wie weich die Pinsel sind!

 







                                                                                            D
ie Dienende im Malort ...
 


Natürlich verfügt der Malort auch über eine kleine Küche, die am Nachmittag von der sommerlichen Sonne durchflutet wird.

Hier finden die Vorgespräche statt.
Hier können Eltern auf ihre Kinder warten, die malspielend an einem Kurs teilnehmen und sich ebenfalls eine kleine Auszeit gönnen.
Hier ziehen sich die Malenden ihre Kittel über und stellen den Alltag beiseite.
 

Ich danke ganz besonders meinem Mann Martin für seine unermüdliche tatkräftige und moralische Unterstützung,

meinen Eltern für ihren Mut, mir zu vertrauen,

Jan für den Bau des Palettentisches,

David für das tolle Malort-Leipzig-Brett und die Gläschen-Leihgabe,

Claudia für das wunderschöne Malort-Kissen,

Maria, die extra aus Trier angereist ist und

Micha für diese schönen Fotos!


Und ich bedanke mich bei allen lieben großen und kleinen Leuten, die zur Eröffnung gekommen sind.

 
 

"Was vor uns liegt und was hinter uns liegt, ist klein im Vergleich mit dem, was in uns liegt."                 

                                                                                                        Ralph Waldo Emerson